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Matthias Simmen

Matthias Simmen

Interview mit Matthias Simmen (SUI)

Mario Felgenhauer am 20.11.2006 - 10:57 Uhr

Vor dem ersten Weltcuprennen in Östersund haben wir mit Matthias Simmen, dem Aushängeschild der Schweizer Biathlonszene gesprochen.

Biathlon2b: Servus Matthias. Du befindest dich gerade in der Vorbereitung auf den ersten Biathlon Weltcup in Östersund. Wie ist deine Form und wie verlief die Vorbereitung?

M.S.: Wir sind seit dem 3.November mit dem Team in Skandinavien. Die ersten zehn Tage in Beitostoelen, wo wir auch an den norwegischen Saisoneröffnungsrennen teilnahmen, und bis zum 26.November in Idre, von wo aus wir dann direkt nach Oestersund übersiedeln, dem ersten Weltcuport in dieser Saison. Meine Vorbereitung verlief bis zum ersten Sprintrennen in Beito nach Plan und ich fühlte mich sehr gut und stark, trainierte viel, und konnte die erste Phase mit einem zweiten Platz in diesem Sprint abschliessen. Im Moment kämpfe ich noch mit den Nachwehen einer hartnäckigen Erkältung, die ich mir unmittelbar nach dem Wettkampf eingefangen habe und ich musste dementsprechend mit dem Trainingsumfang etwas zurück. Bin jetzt aber auf dem Weg der Besserung und hoffe dass ich nicht zuviel Substanz verloren habe und bis zum Weltcupstart wieder im Vollbesitz meiner Kräfte bin.

Biathlon2b: Kannst du uns einen Einblick geben, wie euere Vorbereitung im Schweizer Biathlon Team allgemein abläuft und wie die Unterstützung seitens des Verbandes im Vergleich zu Deutschland ist?

M.S.: In den letzten vier Jahren hat sich in der Schweizer Biathlonszene enorm viel bewegt. Seid gut drei Jahren sind wir nun bei Swiss Ski integriert. Wir profitieren nicht nur finanziell, sondern auch von der ganzen Administration, Organisation und überhaupt vom ganzen Know How von diesem Verband, bei dem jetzt alle Schneesportler der Schweiz vereint sind. Alles ist professioneller geworden und wir haben einige Leute an der Front, denen der Biathlonsport in der Schweiz am Herzen liegt und die auch wissen was für ein enormes Potenzial in der wohl geilsten Winterausdauersportart vorhanden ist. Dementsprechend war es auch möglich Trainer anzustellen, die Vorbereitung der verschiedenen Teams zu optimieren, Stützpunkte aufzubauen und eine Nachwuchsbewegung ins Leben zu rufen. Alles Dinge, die wir vorher nur vom Hörensagen kannten. Natürlich hinken wir den grossen Nationen wie Deutschland in jeder Beziehung noch hinterher, da auch fast jeder Sportler von uns neben dem Training noch einer Arbeit nachgehen muss, weil in der Schweiz die Sportförderung durch den Staat praktisch nicht existiert oder nur ganz wenige von solchen Profi-Stellen profitieren können. Nichts desto trotz versuchen wir in allen Bereichen aufzuholen, aber Wunder geschehen eben auch da keine und man kann nicht in drei Jahren aufholen was man Jahrzehnte vorher versäumt hat.
Das Budget für die Saison 06/07 beträgt 350000 Chfr und das für alle Bereiche (inkl.Trainergehälter). Das man da keine grossen Sprünge in der Vorbereitung machen kann, versteht sich von selbst.
Dadurch haben wir auch hauptsächlich in unserer Heimat im Stützpunkt in Andermatt trainiert, wo wir durchaus optimale Bedingungen vorfanden. Zwei mal zwei Wochen waren wir in Oberhof und nahmen noch an der deutschen Meisterschaft im September teil.

Biathlon2b: Mit Manfred Geyer habt ihr einen deutschen Trainer. Was hat er euch gebracht, was schätzt ihr an ihm?

M.S.: Manfred ist nun die dritte Saison bei uns. Ich habe eigentlich erst angefangen Biathlon zu trainieren als er in die Schweiz kam. Er hat uns das deutsche Trainingssystem beigebracht und seine enorme Erfahrung als Trainer und als Athlet ist Gold wert für uns. Er war ja jahrelang Trainer in Oberhof und weiss was es braucht um an die Weltspitze zu gelangen. Natürlich musste auch er sich mit den speziellen Gegebenheiten in der Schweiz erst zurechtfinden und einsehen dass bei uns halt keine deutschen Verhältnisse herrschen.
Aber mittlerweile hat er das Schweizer System verstanden und sich auch damit abgefunden dass Biathlon im Gegensatz zu Deutschland in der Schweiz eine Randsportart ist.

Biathlon2b: Werdet ihr in der kommenden Saison alle Weltcups bestreiten und was sind deine Ziele beziehungsweise die Ziele des Teams?

M.S.: Die Schweiz wird an allen Weltcups vertreten sein. Ich werde, soweit die Gesundheit passt, voraussichtlich auch alle Weltcups bestreiten. Ich will in die Top 30 im Gesamtweltcup, was eine Startberechtigung für den Massenstart bedeutet. An der WM in Antholz will ich in die top ten vorstossen. Und das so oft wie möglich! Auch in der Staffel wollen wir gut abschneiden und uns den vierten Startplatz für die nächste Saison zurückholen.

Biathlon2b: Nun hast du ja schon die eine oder andere Top 20 Platzierung im Weltcup erlaufen und warst 2005 in Oberhof sogar 9. in der Verfolgung. Hat das den Biathlonsport in der Schweiz etwas angeschoben, wirst du auf der Straße erkannt?

M.S.: In meiner Region kennt man mich und meinen Namen schon. Auch gab es nach meiner guten Saison 04/05 einige Reaktionen und sogar das Schweizer Fernsehen zeigte Interesse und sendete zwei längere Berichte über mich. Aber wie gesagt ist Biathlon bei uns ein Randsport und es kann schon mal vorkommen, dass einen die Leute fragen, wenn man sagt dass man Biathlon macht, ob das Laufen, Schwimmen und Radfahren sei. Aber die Tendenz ist ganz klar. Der Biathlon gewinnt auch in der Schweiz nach und nach an Akzeptanz. Da sind natürlich unsere Leistungen entscheidend.

Biathlon2b: Wie schaut es mit dem Nachwuchs in der Schweiz aus? Gibt es genügend Stützpunkte um Talente zu fördern?

M.S.: Genügend Stützpunkte gibt es nie und eigentlich haben wir nur einen und auch nur eine Rollerbahn und einen Schiessplatz. Dementsprechend ist die Förderung des Nachwuchses nicht ganz ohne und alles muss sich auf den Stützpunkt in Andermatt konzentrieren. Aber auch da hat sich einiges getan und es gibt eine Rennserie für Kids mit etwa sieben Wettbewerben. Dort hat man eine riesige Beteiligung und das Interesse der Kinder für Biathlon ist gross. Auch hat man eine Kandidatengruppe ins Leben gerufen mit Jungs und Mädels im Alter von 16-20 Jahre. Die sollten dann die Zukunft im Schweizer Biathlon sein.

Biathlon2b: Mit 34 Jahren gehörst du im Biathlon inzwischen ja nicht mehr zu den Ältesten. Bestes Beispiel Sergej Tchepikov. Hast du vor auch so lange weiterzumachen oder was wäre für dich ein Grund aufzuhören?

M.S.: Ich denke dass das Alter in einer Ausdauersportart nicht entscheidend ist. Wichtiger ist die Motivation und die Bereitschaft das knallharte Training auf sich zu nehmen. Und natürlich sind auch die Gesundheit und der Spass an der ganzen Sache entscheidende Faktoren. Solange das alles für mich passt und es für mich auch sportlich noch Sinn macht, bleib ich dabei.

Biathlon2b: Wir wünschen dir auf alle Fälle viel Erfolg für die kommende Saison und hoffen dass du uns noch möglichst lange im Weltcup erhalten bleibst.



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