Werden die Biathlon-Staffeln im nächsten Weltcupwinter einseitig? Möglich ist es. Denn nachdem die norwegischen Damen künftig ohne Linda Grubben noch mehr zu kämpfen haben werden als in diesem Winter, stehen auch die Franzosen vor Problemen.
Poiree reißt große Lücke
Vor allem das seit gestern nun offizielle Karriereende des viermaligen Gesamtweltcupsiegers Raphael Poiree wird ein großes Loch im französischen Team reißen. In die Bresche springen müssen hier sicherlich Olympiasieger Vincent Defrasne sowie der Überraschungs-Zweite von Lahti, Simon Fourcade. Doch wirklich ersetzen können wird man den 32jährigen zumindest vorerst nicht. Vor allem in der Staffel liefern die übrigen Franzosen zwar solide Leistungen ab, aber reicht es noch für Podestplätze? Poiree selbst denkt daran nun gar nicht mehr. Er, der in seiner aktiven Laufbahn sieben goldene WM-Medaillen errang und insgesamt 44 Mal im Weltcup siegreich war, denkt nun an ein drittes Kind, seine beiden Töchter Emma und Anna sind im Moment zwei Jahre und zwei Monate alt. "Die riesigen Mengen an Adrenalin, die mein Körper beim Schlussspurt heute ausgestoßen hat, kann ich gut dazu benutzen, heute noch mit dem dritten Kind zu beginnen, oder Liv Grete?", scherzte Poiree bei der Pressekonferenz nach dem Rennen. Ganz in die Ecke stellt der 32jährige Ski und Gewehr jedoch noch nicht - sein Arbeitgeber bat ihn noch zu den Militär-Weltmeisterschaften. Falls diese aufgrund von Schneemangel nicht stattfinden können, wird er auf jeden Fall noch bei den französischen Meisterschaften am Start sein.
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Auch Baverel-Robert zieht Schlussstrich
Was im Trubel um den Poiree-Abschied völlig unterging, wird auch im französischen Damenteam nicht gerade großen Jubel auslösen. Florence Baverel-Robert gab gestern nach dem Massenstart ebenfalls ihren Rücktritt bekannt. "Ich habe meine ganze Karriere mit Raph verbracht. Er hört auf, also höre ich auf", erklärte sie in der Pressekonferenz. Ihr letztes Rennen wird somit der Massenstart in Khanty-Mansiysk sein. Die 32jährige, die derzeit Fünfte im Gesamtweltcup ist, wurde im vergangenen Winter Olympiasiegerin im Sprint von Turin - sonst konnte die sichere Schützin in ihrer langen Karriere nie ein Rennen für sich entscheiden.
Damit stehen die Französinnen vor einem großen Problem, denn neben Sandrine Bailly (27) und der zwei Jahre jüngeren Delphine Peretto sowie der 32jährigen Sylvie Becaert gibt es kaum Alternativen. Man wird in Frankreich wohl auf die starken Mädchen warten müssen, die im Jugendbereich die Weltelite dominieren. Doch bis dahin bleibt zu hoffen, dass der ohnehin in Frankreich nicht populäre Biathlonsport dort nicht in Vergessenheit gerät.