
Neuner bereitet sich vor

Magdalena Neuner
WM Antholz und anschließende Pause Daheim
Magdalena Neuner am 25.02.2007 - 12:53 Uhr
Endlich komme ich mal dazu, meine News zu aktualisieren. War ja wirklich viel los in letzter Zeit. Wo fang ich da am besten an? Genau, bei der WM-Eröffnungsfeier...
Ich bin ja eigentlich ohne jeglichen Druck und ohne großartige Ziele zur WM gefahren. Daher, war für mich einfach wichtig, jeden Moment meiner ersten WM bei den "Großen" zu genießen.
Dazu gehörte auch, dass ich die Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen durfte. Ich genoss es sehr und habe mir auch noch ein wenig die Eröffnungsfeier angeschaut, die sehr schön inszeniert wurde.
Ja, und am nächsten Tag, stand auch schon der Sprint Wettkampf an. Ich war echt überrascht, wie locker ich an den Start ging. Fast keine Nervosität. Naja, ich hatte schließlich nichts zu verlieren, außerdem passte einfach auch die ganze Atmosphäre. Das Wetter war super, die Stimmung im Stadion war total schön und ich fühlte mich echt gut. So ging ich also völlig unbekümmert ins Rennen. Schnell merkte ich, dass läuferisch viel drin ist, versuchte aber, nicht gleich alle meine Reserven zu verbrauchen. Beim Liegendschießen, verfehlte ich leider einen Schuss, was mich schon ein wenig ärgerte, da das Liegendschießen schon eher meine Stärke ist. Aber ich ließ mich deswegen nicht aus der Ruhe bringen. Beim Stehendschießen ging der letzte Schuss vorbei, schade, aber ein Fehler stehend ist absolut ok. In der letzten Runde hieß es einfach nur noch Vollgas geben. Als ich im Ziel war, war ich schon ziemlich überrascht, dass ich ganz vorne liege, da man sich normalerweise mit zwei Fehlern nicht mehr ganz viel ausrechnen kann. Ich hab dann erst mal ein paar Interviews gegeben, bis mir irgendwann mal gesagt wurde "hey, du bist WELTMEISTERIN!". Am Anfang konnte ich das garnicht glauben. Weltmeisterin. Wahnsinn. Dann ging alles total schnell und ich konnte garnicht begreifen, was gerade passiert war. Interviews, Siegerpräsentation, Pressekonferenz, Dopingkontrolle.... Irgendwann wars dann halb zwölf in der Nacht, als ich endlich zur Ruhe kommen konnte. Und ehe ich alles nochmal verarbeiten konnte, war ich schon eingeschlafen. Viel Zeit zum Nachdenken und über den ersten Sieg freuen, war nicht. Die Verfolgung stand auf dem Plan.
Wieder war ich eigentlich sehr entspannt vorm Rennen. Jetzt hatte ich erst recht nichts mehr zu verlieren. Was ich am Tag zuvor erreicht hatte, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Ich ging 2 Sekunden vor Anna-Carin ins Rennen. Versuchte, ganz locker zu laufen und mich nicht von ihr aus der Ruhe bringen zu lassen. Das gelang mir eigentlich sehr gut. Nur beim letzten
Schießen war ich schon ein wenig nervös. Schließlich ging es dabei um Gold. Zwei Fehler... doch Anna-Carin verfehlte auch zwei. Jetzt hieß es nur noch so schnell rennen wies geht. Und als ich dann ins Stadion lief und wusste, dass ich es geschafft hatte, war das ein wahnsinniges Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Es war so schön, den Fans zuzuwinken und die letzten Meter nochmal richtig zu genießen. Doppelweltmeisterin.... Ich glaube, in diesem Moment war mir noch garnicht bewusst, was ich erreicht hatte. Es war ja auch wieder nicht viel Zeit darüber nachzudenken. Termine, Termine, Termine.......
Zum Glück hatte ich dann fast eine Woche Zeit diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten und zu genießen und endlich zu realisieren, was passiert war.
Naja, die Woche ging dann eigentlich recht schnell vorbei. Ich habe erst mal ein wenig pausiert und bin dann wieder ins Training eingestiegen. Am Freitag hatte ich ja dann Geburtstag, den ich aber eigentlich nicht so sehr gefeiert habe. Es standen ja auch noch Wettkämpfe an.
Beim Massenstart war ich läuferisch wieder gut drauf, doch am Schießstand waren es halt dann doch ein paar Fehler zu viel. Ich muss sagen, ich habe mich überhaupt nicht darüber geärgert, schließlich hatten wir an diesem Tag was anderes zu feiern. Gold für Andrea, Silber für Martina und Bronze für Kati. Besser gehts nicht. Das war so schön für die gesamte Mannschaft, dass man seinen eigenen Wettkampf ganz schnell vergisst. Ich habe mich wirklich sehr für die drei gefreut und es war für uns natürlich auch sehr motivierend hinsichtlich der Staffel. Jeder wusste, dass er in der Lage ist, eine Medaille zu holen.
Vor dem Staffelwettkampf haben wir (Marina, Andrea, Kati und ich)uns nochmal zusammen gesetzt und uns regelrecht die Goldmedaille vorgenommen. Wir wollten einfach unbedingt diese Medaille zusammen gewinnen. Als dann der Startschuss fiel und Martina das Staffelrennen für uns anlief, war bei mir schon eine gewisse Nervosität da. Schließlich hat man in der Staffel die Verantwortung für drei weitere Läuferinnen. Doch Martina machte ihre Sache sehr gut, was natürlich auch eine gewisse Sicherheit brachte. Auch Andrea machte ein super Rennen und schickte mich als erste auf die Strecke. Liegend fühlte ich mich echt super und konnte mit null Fehlern und keinem Nachlader vom Stand gehen. Und auch Läuferisch war ich wieder so gut drauf, dass ich unseren Vorsprung ausbauen konnte. Stehend lief es dann nicht ganz so rund. Drei Nachlader, aber zum Glück keine Strafrunde. Der Vorsprung wurde noch größer. Schon über eine Minute. Dann schickte ich Kati ins Rennen, die einen hervorragenden Wettkampf mit keinem einzigen Nachlader ablieferte. Das war der sichere Sieg. Gold mit der Staffel. Das ist was ganz besonderes. Ein wahnsinnig schöner Abschluss einer einfach märchenhaften WM. Ich konnte mit drei Goldmedaillen im Gepäck nun die Heimreise antreten. Als erste Deutsche Biathletin, der so etwas gelungen war.
Jetzt freute ich mich aber auch sehr auf zu Hause und auf ein hoffentlich wieder normales Leben. Ganz normal war es zwar nicht mehr, da ich sehr viele Termine hatte, wie zum Beispiel Blickpunkt Sport und auch sehr viele Journalisten zu Hause angerufen haben, aber ich denke, dass ich mich trotz allem ganz gut erholen konnte. Sehr schön war natürlich der Empfang, den mir meine Heimatgemeinde Wallgau bereitet hat. Am Freitag, nachdem ich zurückgekommen war, stieg eine riesen Bayern 3 Party auf unserem Dorfplatz, die wirklich sehr gelungen war. So etwas großes habe ich in Wallgau noch nie erlebt und war echt überwältigt, dass so viele Leute nur wegen mir gekommen waren. Das ist schon ein komisches Gefühl. Ich hoffe, diejenigen, die da waren, hatten viel Spaß und einen schönen Abend. Hiermit möchte ich mich auch nochmal ganz herzlich bei allen bedanken, die alles organisiert haben, bei der Musikkapelle Wallgau, bei den Gebirgsschützen, beim Skiclub, bei der Gemeinde, bei Bayern 3 und natürlich bei allen die da waren und für Stimmung gesorgt haben. Und auch bei allen, von denen ich so schöne Geschenke bekommen habe und bei all denen, die mich die ganze Zeit unterstützt, angefeuert und mir die Daumen gedrückt haben. Vielen Dank!
Und jetzt ist die Pause auch schon wieder vorbei. Heute Abend geht es schon wieder weiter nach
Lahti (Finnland). Ich denke, ich habe nochmal ganz gut trainiert in der Zeit, in der ich zu Hause war, so dass ich nochmal versuchen werde bei den letzten drei Weltcupstationen richtig anzugreifen. Drückt uns wieder fest die Daumen und auch euch nochmal viel Spaß beim Biathlonschauen!
Eure Magdalena
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