
Kati Wilhelm
2. Teil: Ausrüstung der Biathleten
Mario Felgenhauer am 01.12.2006 - 09:41 Uhr
Wie in fast jeder Sportart entscheidet die richtige Ausrüstung auch beim Biathlon oft über Sieg oder Niederlage. Gerade in einer Sportart mit zwei so unterschiedlichen Teildisziplinen wie Skilanglauf und Schießen muss das Material genau auf den Athleten abgestimmt sein, um ein bestmögliches Resultat zu gewährleisten. Dazu reicht es nicht aus, nur das Wettkampfgerät aus der jeweiligen Disziplin zu übernehmen. Vielmehr müssen die Wettkampfgeräte an die spezifischen Besonderheiten im Biathlon angepasst werden.
Der Ski
Das Fortbewegungsmittel des Biathleten ist der Langlaufski. Da beim Biathlon anders als im Skilanglauf nur in freier Technik (und damit ausschließlich im Skating-Stil) gelaufen wird, kann auf die Verwendung von klassischen Ski (zumindest im Wettkampf) verzichtet werden. Skating-Ski sind ungefähr zehn Zentimeter länger als die Körpergröße des jeweiligen Athleten und zwischen 40 und 45 Millimeter breit. Im Inneren der Ski befindet sich ein Holz- oder Wabenkern. Sie sind zudem vorgespannt, das bedeutet die Spitze und das Ende wölbt sich leicht nach unten. Diese Vorspannung kann beim Abstoß in Vortriebsenergie umgewandelt werden. Jeder Ski besitzt zur Minimierung der Reibungskräfte an der Unterseite einen sogenannten Belag. Dieser besteht aus Polyurethan oder ähnlichen Materialien. Diese haben ähnliche Eigenschaften wie das Teflon in Bratpfannen. Sie sind besonders wasserabweisend, allerdings nicht ganz so hitzebeständig. Über Schliffe, Strukturen und Wachse wird der Belag an die jeweiligen Witterungsbedingungen angepasst. Schliffe werden dabei durch eine Schleifmaschine dauerhaft in den Belag gefräst, Strukturen mittels Geräten nur eingedrückt. Sie dienen zur Verbesserung der Gleitwirkung. Mit unterschiedlichen Wachsen, die Zusätze wie Fluor und andere Chemikalien enthalten können, kann auf unterschiedliche Luftfeuchte und Nässe des Schnees reagiert werden. Ein Weltcupathlet besitzt bis zu 20 Paar unterschiedliche Ski, von denen eine bestimmte Anzahl vor jedem Wettkampf zur Ermittlung des Rennskis getestet wird. Die Wahl des richtigen Skis entscheidet häufig über Sieg oder Niederlage.
Bindung und Schuh
Die Verbindung zwischen Ski und Schuh stellt die sogenannte Bindung her. Anders als bei Alpinskiern ist hier die Ferse allerdings frei, um einen besseren Abstoß zu ermöglichen. Eine Verbindung besteht je nach Hersteller über eine oder zwei Achsen im Vorfußbereich. Eine oder zwei Mittelschienen sorgen dafür, dass der Schuh immer wieder an die gleiche Position auf dem Ski zurückkehrt. Die Rückholbewegung wird dabei durch ein Gummielastomer an der Spitze des Schuhs oder einen Bügel mit Federzug, der an der zweiten Achse einhakt, sichergestellt. So ist gewährleistet, dass der Ski trotz Fersenfreiheit gut zu beherrschen ist.
Der Schuh besitzt eine Sohle, die das Gegenstück zur Mittelschiene darstellt und damit beim Gleiten einen Widerhalt gegen seitliches Verrutschen bietet. Für die Skating-Technik ist hohe Seitenstabilität im Sprunggelenk notwendig. Deswegen besitzen Skatingschuhe eine in Längsrichtung des Schuhs bewegliche Schale aus Plastik oder Carbon. Diese setzt oberhalb des Gelenks an und stellt die Stabilität sicher. Je nach Läufertyp gibt es hier individuelle Präferenzen bezüglich Form und Höhe dieser Schale. So bevorzugen manche Läufer etwas mehr Bewegungsfreiheit (im Extremfall laufen sie ganz ohne Schale), andere brauchen eine feste und hohe Schale, um den Ski richtig setzen zu können.
Die Stöcke
Neben dem Beinabstoß vom Ski sorgen vor allem die Arme in Verbindung mit den Stöcken für den Vortrieb beim Laufen. Dabei besteht der Großteil der im Leistungssport verwendeten Stöcke inzwischen aus Carbon oder Composite-Material. Dadurch wird hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht sichergestellt. Am unteren Ende des Stockes befindet sich der sogenannte Teller, der verhindert, dass der Stock im Schnee versinkt. Aus dem Teller ragt eine kurze Metallspitze, die den nötigen Halt im Schnee gewährleistet. Da die Strecken bei Weltcuprennen in den letzten Jahren immer besser und vor allem härter präpariert wurden, sind die Teller immer kleiner geworden. Schließlich war beim Einstechen keine große Fläche mehr nötig, um ein Einsinken des Stocks zu verhindern. Am oberen Ende des Stocks befindet sich der Griff mit einer Schlaufe. Letztere sorgt dafür, dass man den Stock beim Schieben nicht aus der Hand verliert. Sogenannte Powerschlaufen, wie sie im Skilanglauf eingesetzt werden, findet man im Biathlon noch selten. Zwar hält der Stock durch eine solche Schlaufe auch ohne Kraftaufwand an der Hand, es dauert aber eine gewisse Zeit, um sie zu lösen. Da beim Biathlon bei jeder Schießeinlage die Stöcke abgelegt werden, kann auch dieser Zeitaufwand bereits über Sieg und Niederlage entscheiden. Die Länge der Stöcke ist individuell verschieden, eine Faustregel besagt, sie sollen bis zum Kinn reichen.
Die Bekleidung
Nicht ganz unwichtig für eine Freiluftsportart ist natürlich die Bekleidung. Gerade im Wintersport gilt es, einen guten Ausgleich zwischen wärmendem und Schweiß transportierendem Material für die Bekleidung zu finden. Die meisten Athleten tragen deswegen dünne Funktionsunterwäsche und darüber den sogenannten Laufanzug. Der Laufanzug sollte hauteng sein, um möglichst wenig Windwiderstand zu bieten und aus elastischem Material bestehen, um größtmögliche Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Die Handschuhe sind meist deutlich dünner als Alpinhandschuhe. Dies ist notwendig, um Stöcke, Gewehr und Nachlademunition greifen zu können. Eine Sportbrille soll das Auge vor Kälte und Schnee schützen. Ein tränendes Auge ist schließlich für eine exakte Schussabgabe äußerst hinderlich.
Das Gewehr
Der entscheidende Unterschied zwischen Langläufer und Biathlet liegt im Ausrüstungsgegenstand Gewehr. Allerdings haben wir es bei der Waffe nicht unbedingt mit einem Gerät aus dem Schießsport zu tun. Das Gewehr eines Biathleten ist meist eine Spezialanfertigung und sowohl auf Präzision als auch auf Schnelligkeit getrimmt. Im Leistungssportbereich wird seit 1978 mit Kleinkalibergewehren geschossen. Diese besitzen Kaliber 22 lfb. Sie müssen ein Mindestgewicht von 3,5 Kilogramm besitzen und während des gesamten Wettkampfes mitgeführt werden. Dies wird durch ein Tragegestell ermöglicht, wodurch das Gewehr beim Laufen auf dem Rücken getragen werden kann. Außerdem Vorschrift: Es muss manuell nachgeladen werden. Automatikwaffen sind also verboten. Der Nachladevorgang erfolgt über ein Magazin, in dem sich fünf Schuss befinden. Es sind derzeit verschiedene Repetier- (Nachlade-) Systeme auf dem Markt. Alle nehmen für sich in Anspruch, dass man mit ihnen möglichst ruhig und schnell nachladen kann. Das am weitesten verbreitete ist das System Fortner von Anschütz. Dabei wird mittels einer kurzen Bewegung von Daumen und Zeigefinger der Verschluss geöffnet, die leere Patronenhülse wird herausgeschleudert und beim Verschließen eine neue Patrone aus dem Magazin in den Lauf geschoben. Erst durch derartige Systeme wurden Schießzeiten möglich, wie sie momentan von den Top-Athleten realisiert werden. Ein besonders auffälliges aber vom Aussterben bedrohtes System ist der sogenannte Unterlader. Dabei wird nicht nur mit zwei Fingern, sondern mit der ganzen Hand durch nach unten Drücken des Griffs repetiert. Diese Technik wendet momentan nur noch der Deutsche Sven Fischer an.
Um die Waffe möglichst ruhig zu halten, darf der Athlet einen sogenannten Unterstützungsgurt verwenden. Dieser wird hauptsächlich beim Liegendschießen benötigt. Dabei wird ein Gurt, der am Gewehr befestigt ist, an einem Riemen eingehängt, der um den linken Oberarm (bei Linkshändern um den rechten Oberarm) geschnallt ist. Diese Verbindung auf Zug gebracht gibt einen gewissen Widerhalt und das Gewehr kann ruhiger gehalten werden. Dies ist besonders wichtig für den Zielvorgang. Dabei wird durch den sogenannten Diopter und über das Ringkorn im Korntunnel das Ziel anvisiert. Der Diopter ist dabei die hintere Zieleinrichtung. Er besitzt eine kleine runde Öffnung, durch die man das Ringkorn (wie der Name schon sagt, ein kleiner Metallring) am vorderen Ende des Laufes sehen kann. Ziel ist es nun das Ziel mittig im Ringkorn anzuvisieren und das Gewehr so auszurichten, dass auch alle übrigen Flächen, die man rund um das Ringkorn sehen kann, gleichmäßig rund erscheinen. Dann ist über den Abzugshahn der Schuss auszulösen. Weil Umwelteinflüsse wie Wind, Regen, Sonne oder die Beschaffenheit des Schießstandes den Weg des Projektils (umgangssprachlich: der Kugel) behindern oder die Visierlinie (Blick durch den Diopter zum Ziel) verschieben können, muss das Gewehr vor jedem Training oder Wettkampf angeschossen werden. Dabei wird auf Papierscheiben geschossen und überprüft, ob alle Schuss im Zentrum der Scheibe ankommen. Ist dies nicht der Fall, kann man über zwei Einstellschrauben am Diopter die Visierlinie verändern und Umwelteinflüsse ausgleichen. Dies ist auch während des Wettkampfes bei plötzlich aufkommendem Wind noch möglich.
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