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3. Teil: Wettkampf- und Regelkunde

Mario Felgenhauer am 01.12.2006 - 09:45 Uhr

Biathlon wäre nur halb so spannend, wenn es nicht bestimmte Wettkampfformen gäbe, die den Kampf Mann gegen Mann und Frau gegen Frau herausfordern würden. So wurden in den letzten Jahren immer wieder neue Wettkampfformen eingeführt und auch für die Zukunft sind Neukonzipierungen geplant. Eines ist jedoch bei allen Wettkampfformen gleich: Der Schießstand. Er muss im Weltcup aus mindestens 30 Schießbahnen bestehen, sodass mindestens 30 Athleten zeitgleich eine Schießprüfung absolvieren können. Die Entfernung von der Schießmatte, auf der sich der Athlet zur Abgabe von Schüssen befinden muss, zum Ziel beträgt 50 Meter. Das Ziel besteht aus elektronischen oder manuell zu bedienenden Scheibensystemen mit fünf Trefferflächen, die durch ein Zuklappen eines weißen Deckels einen Treffer anzeigen. Vor dem Treffer ist das Ziel schwarz und hat einen Durchmesser von 115 Millimetern. Beim Liegendschießen wird zusätzlich eine „Schablone“ über das Ziel gelegt, sodass sich die Trefferfläche auf 45 Millimeter verringert. Das für den Athleten sichtbare schwarze Ziel bleibt aber gleich groß. Bei den einzelnen Wettkampfformen ändern sich nur die Anzahl der Schießeinlagen, die zur Verfügung stehende Anzahl an Schuss und die Bestrafung für einen Fehlschuss.

Der Einzelwettkampf
Nicht zu verwechseln mit dem Einzelstart ist der Einzelwettkampf, die älteste Wettbewerbsform im Biathlon. Seit den Anfängen von Biathlon als Individualsportart haben sich dabei die Renndistanz und die Anzahl der Schießprüfungen nicht verändert. So müssen von den männlichen Athleten 20 und von den Frauen 15 Kilometer bewältigt werden. Gestartet wird im Einzelstart mit 30 Sekunden Startabstand. Während des Wettkampfes wird in regelmäßigen Abständen viermal der Schießstand angelaufen. Es wird dabei abwechselnd im liegenden und stehenden Anschlag geschossen. Begonnen wird mit Liegendschießen. Dabei sind jeweils fünf Schuss abzugeben. Wird ein Ziel nicht getroffen, wird eine Strafminute zur Laufzeit addiert. Sieger ist der Läufer/die Läuferin mit der geringsten Gesamtzeit. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in diesem Wettkampf ein sehr guter Schütze aufgrund der Höhe der Strafzeit Vorteile besitzt. Allerdings muss dieser auch ein guter Läufer sein, um nicht zu viel Zeit auf der Strecke zu verlieren.

Der Sprintwettkampf
Beim Sprintwettkampf wird ebenfalls einzeln im 30-Sekunden-Abstand gestartet. Allerdings ist die Wettkampfdistanz nur halb so lang wie im Einzel (also 10 Kilometer für Herren und 7,5 Kilometer für Damen) und es wird nur einmal liegend und einmal stehend geschossen. Für jeden Fehlschuss muss eine Strafrunde von 150 Metern Länge absolviert werden. Damit ergibt sich aus der Endzeit im Ziel sofort die Gesamtzeit. Auch hier gilt: Der- oder diejenige mit der schnellsten Gesamtzeit gewinnt den Wettbewerb. Aufgrund der läuferisch zu absolvierenden Strafe sagt man, dass hier sehr gute Läufer leichte Vorteile besitzen und eher als im Einzel ein Fehlschuss wettgemacht werden kann.

Der Verfolgungswettkampf
Seit der Saison 1996/1997 im Programm stellte der Verfolgungswettkampf eine erste Stufe in der Verdeutlichung des Kampfes Mann gegen Mann dar. Hierbei gehen die Läuferinnen und Läufer mit dem Rückstand aus einem zuvor ausgetragenen Sprintrennen auf die Strecke. Das heißt, der Sieger des Sprintrennens startet als Erster und wird von den Nächstplatzierten gejagt. Die Wettkampfdistanz beträgt 12,5 Kilometer für Männer und 10 Kilometer für Frauen. Es müssen vier Schießeinlagen absolviert werden, wobei zunächst zweimal liegend und dann zweimal stehend geschossen wird. Pro Fehlschuss ist wiederum die vom Sprint bekannte Strafrunde zu absolvieren. Für den Zuschauer besonders hilfreich ist die Tatsache, dass der erste Läufer im Ziel (gesetzt den Fall, dass er keine Regelwidrigkeit begangen hat) auch der Sieger des Wettbewerbs ist. Nachteilig zu sehen ist natürlich das Handicap derjenigen Läufer, die im Sprint nicht so gut abgeschnitten haben und dafür auch im Folgewettkampf bestraft werden.

Der Massenstartwettkampf
Genau dieser angesprochene Nachteil des Verfolgungswettkampfes wird im Massenstartwettbewerb behoben. Die besten 30 Läufer des Gesamtweltcups starten zeitgleich im Massenstart und müssen 15 (Männer) beziehungsweise 12,5 Kilometer (Frauen) absolvieren. Es wird wie in der Verfolgung viermal geschossen und auch die Reihenfolge der Schießeinlagen bleibt gleich. Für Fehlschüsse sind ebenfalls Strafrunden zu absolvieren. Auch hier gilt: Der erste Läufer im Ziel ist der Sieger. Aufgrund der gleichen Ausgangsposition am Start und den 20 abzugebenden Schüssen gibt es in dieser Wettkampfform normalerweise besonders viele Führungswechsel. Hier scheinen gute Schützen und gute Läufer ungefähr gleichberechtigt zu sein, weswegen meist nur komplette Biathleten in diesem Wettbewerb gewinnen.

Der Staffel- beziehungsweise Mixed-Staffelwettkampf
Ebenfalls schon sehr lange im Wettkampfprogramm ist der Staffelwettkampf. Dabei laufen vier Biathletinnen beziehungsweise vier Biathleten in einem Team. Nach dem Massenstart aller Staffeln ist jeweils ein Athlet pro Team auf der Strecke und im Ziel wird durch Körperkontakt auf den Staffelpartner übergeben. Frauen müssen dabei jeweils 6 Kilometer zurücklegen, Männer 7,5 Kilometer absolvieren. Geschossen wird wie im Sprint jeweils einmal liegend und einmal stehend. Allerdings stehen im Staffelwettkampf drei Reservepatronen zur Verfügung. Sind nach fünf Schuss nicht alle Ziele weiß, dürfen diese drei Patronen einzeln nachgeladen werden. Ist daraufhin noch immer ein Ziel nicht getroffen, so muss der Athlet eine Strafrunde laufen. Der erste Schlussläufer einer Staffel im Ziel führt sein Team zum Sieg. Auch in diesem Wettbewerb ist meistens Spannung garantiert, außer ein Team ist so gut besetzt wie das der russischen Damen bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin (ITA) und läuft allen anderen Mannschaften regelrecht davon.
2005 in Khanty Mansiysk (RUS) wurde erstmals auch ein Weltmeisterschaftsrennen in der sogenannten Mixed-Staffel ausgetragen. Dabei laufen zwei Frauen und zwei Männer in einem Team. Die Renndistanz betrug damals für beide Geschlechter 6 Kilometer. Inzwischen wurden die Streckenlängen auf die normale Staffellänge des jeweiligen Geschlechts angepasst.

Kleine Regelkunde
Es gibt unzählig viele Regeln, mit denen der Ablauf eines Wettkampfs genau festgelegt ist. Diese hier vorzustellen würde Euch sicher nicht weiterhelfen. Allerdings gibt es einige Besonderheiten und Vorfälle, die immer wieder mal von Fernsehkameras eingefangen werden. Deswegen kann es durchaus interessant sein, zu wissen, was in diesen Situationen regelkonform war oder nicht.
In den einzelnen Wettkämpfen ist zum Beispiel die Wahl der Schießbahn unterschiedlich geregelt. Bei Rennen mit Einzelstart (also im Einzel und Sprint) wird der Schießstand in zwei Hälften geteilt. Die eine Hälfte der Ziele wird für das Liegendschießen vorbereitet (Schablone über das Ziel), die andere Hälfte für das Stehendschießen (Schablone raus). Kommt der Athlet an den Schießstand muss er sich je nachdem, ob er liegend oder stehend schießen muss, am Schießstand orientieren. Innerhalb der jeweiligen Hälfte darf er sich einen Stand frei wählen. Im Verfolgungsrennen wird jeweils von Stand 1 bis 30 aufgefüllt. Das bedeutet, der erste Läufer, der zum Schießstand kommt, muss auf Stand 1, die anderen füllen je nach Einlaufposition auf. Im Massenstart ist dies grundsätzlich genauso, allerdings ist beim ersten Schießen Startnummer gleich Standnummer. Damit will man einem Missverständnis bei einer großen Anzahl an gleichzeitig zum Schießstand kommenden Läufern aus dem Weg gehen. In den Staffelentscheidungen gilt immer Startnummer gleich Standnummer. Das bedeutet, die Athleten eines Teams schießen immer auf der gleichen Schießbahn.
Tätigkeiten an der Waffe dürfen erst vorgenommen werden, wenn der Athlet die Schießmatte auf der jeweiligen Schießbahn betreten hat und die Matte darf nur mit geschulterter Waffe verlassen werden. Manchmal kommt es vor, dass sich ein Athlet versehentlich auf die falsche Schießbahn begibt. Dann kommt beim Wechsel die eben angesprochene Regel bezüglich des Schulterns des Gewehres zum Tragen.
Schießt ein Athlet auf die Ziele seines Nachbarn (dies ist aufgrund der geringen Abstände zwischen den einzelnen Zielen durchaus möglich), so werden diese Schüsse als Fehler gewertet. Der Nachbar kann, wenn er schon mit dem Schießvorgang begonnen hat weiterschießen, muss aber alle fünf Schuss abgeben. Kommt der Nachbar erst an den Schießstand, wenn schon eines oder mehrere Ziele auf seiner Schießbahn getroffen wurden, muss er die Schießstandaufsicht informieren und diese weißt ihm eine neue Bahn zu oder öffnet die Klappen der Scheiben wieder.
Hat der Athlet, der auf die falschen Ziele geschossen hat, den Schießstand verlassen ohne zu bemerken, dass ihm eigentlich fünf Fehler angerechnet werden, bekommt er für jede nicht gelaufene Strafrunde zwei Strafminuten. Dies gilt auch für alle übrigen vergessenen Strafrunden bei normalem Schießablauf.
Eine letzte wichtige Regel betrifft die Übergabe bei Staffelrennen. Hier muss innerhalb eines durch zwei Linien gekennzeichneten Bereichs Körperkontakt zwischen den beiden Staffelpartnern erfolgen. Meist wird mit der Hand die Hand, der Arm, der Rücken oder Po des Anderen berührt. Ein Kontakt zwischen Ausrüstungsgegenständen wie Stöcken oder Skiern zählt nicht als Übergabe. Die Staffel wird bei einem derartigen Wechselfehler disqualifiziert.



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