Specials Themenspecials Doping im Leistungssport?

Logo

Statements von Athleten, Trainern und Betreuern zu den Dopingvorwürfen

Nadine Gärtner am 19.02.2008 - 12:16 Uhr

"Wir haben keine Hinweise, die die Anschuldigungen verifizieren würden", gab der Deutsche Skiverband schon Mitte Januar am Rande des Antholzer Biathlon-Weltcups bekannt. Inzwischen sind die Vorwürfe durch eine anonyme Anzeige scheinbar konkreter geworden.

Namentliche Anklage während der Weltmeisterschaften
Eine anonyme Anzeige beschäftigt die Sportwelt, eine Anzeige, deren Inhalt an einen österreichischen Journalisten geschickt wurde. Darin aufgeführt sind mehrere aktive und ehemalige sowie deutsche und österreichische Biathleten. Überraschung, Wut und Enttäuschung machte sich bei Michael Greis während der anberaumten Krisensitzung während der Biathlon-WM in Östersund breit, dass sein "Name durch den Dreck gezogen" werde. Insgesamt reagierte jeder anders auf die Vorwürfe, "dem einen oder anderen hat es schon die Füße weggezogen", erklärte Herren-Bundestrainer Frank Ullrich während der Titelkämpfe. Greis schlief trotz der Anschuldigungen zunächst zwar noch "problemlos", räumte später aber dennnoch ein, "die Gerüchte haben uns vielleicht etwas in der Konzentration beeinträchtigt." In der Anzeige des anonymen Schreibers als Zeuge angegeben wird Stephan Eberharter, einer der erfolgreichsten Skirennläufer Österreichs. Der ehemalige Alpine dementierte jedoch sowohl im Gespräch mit DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach als auch später in den österreichischen Medien vehement, irgendetwas zu diesem Thema aussagen zu können. "Das ist das Idiotischste, was ich je in meinem Leben gehört habe", sagte der Riesenslalom-Olympiasieger von 2002: "Genausogut könnte man von mir behaupten, ich sei für die nächste Mission zum Mars als Astronaut eingeplant."

Gezielte Kampagne während der WM?
"Ich stehe voll hinter der Mannschaft und lege beide Hände für die Athleten ins Feuer, ich weiß, wie hart sie sich ihre Leistungen erarbeitet und erkämpft haben", stellte sich Trainer Frank Ullrich hinter seine Sportler. Für DSV-Präsident Alfons Hörmann ist es "eine böswillige Rufmordkampagne, die den Deutschen Skiverband und den Biathlonsport in Gänze nachhaltig beeinträchtigt". Gerade während der Weltmeisterschaften war der Zeitpunkt der anonymen Anzeige äußerst unglücklich für die Aktiven, laut Hörmann wären trotz einer "schönen Fortsetzung einer Erfolgsstory" noch mehr Medaillen möglich gewesen, "wären die widrigen psychologischen Rahmenbedingungen mit den idiotischen Vorwürfen nicht gewesen".

Schaden angerichtet - Athleten beteuern Unschuld
Hätte, wenn und aber - der Schaden für den Biathlonsport und den Deutschen Skiverband insbesondere ist bereits angerichtet, auch wenn später die Unschuld der SportlerInnen bewiesen werden kann. Der Imageschaden im Biathlon ist enorm, auch wenn die Aktiven und Ehemaligen weiter ihre Unschuld beteuern. So äußerte sich zum Beispiel ZDF-Experte Sven Fischer: "Ich weiß nicht, wo diese Liste herkommt, aber wenn es so ist, dass mein Name darauf steht, dann muss ich halt auch dazu Stellung nehmen", sagte der Olympiasieger: "Man darf sowas nicht einfach verschweigen, jeder soll sagen, was ist. Ich habe mir jedenfalls nichts vorzuwerfen und kann sagen, dass ich meine Leistungen immer absolut sauber errungen habe." Ihm sei während seiner gesamten aktiven Zeit niemals Doping angeboten worden: "Das gilt auch für mein Umfeld." Ebenfalls einer der Namen auf der ominösen Liste ist Michael Greis, was ihn jedoch wenig überrascht: "Es war mir klar, dass ich auf der Liste stehe. Wer soll denn sonst draufstehen, wenn nicht ein dreimaliger Olympiasieger. Aber ich betone noch einmal: Da ist nix dran." Alexander Wolf beschreibt die Situation wie folgt: "Das ist so, als wenn du morgens die Zeitung aufschlägst und jemand hat gesagt, du wärst ein Kinderschänder. Das ist einfach nur hart." Nicht nur deutsche sondern auch einige österreichische Biathleten stehen auf der Doping-Liste, so dass auch Christoph Sumann deutliche Worte dazu fand und "den anonymen Typen" zu einem Outing aufforderte.

Anzeige

Aktive und TV-Experten unterzeichnen eidesstattliche Versicherung
Schon nach den ersten Anschuldigungen gegenüber damals nicht genannten deutschen Ausdauersportlern ging der DSV in die Offensive und ließ seine Athleten eine eidesstattliche Versicherung unterschreiben, nie mit der Wiener Blutbank in Kontakt getreten zu sein. Nach der erneuten Anschuldigungen in den vergangenen Tagen wurde diese Erklärung ausgeweitet, grundsätzlich kein Doping zu betreiben oder betrieben zu haben. DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach: "Das ist das schärfste Schwert, das wir haben." Nach Veröffentlichung der Namensliste unterschrieben auch sämtliche Biathlon-Experten im deutschen Fernsehen eine ähnliche eidesstattliche Erklärung wie die aktiven Sportler, nie etwas mit Doping zu tun gehabt zu haben.

Doping-Experte Holdhaus: Anonyme Anzeige von "krankem Hirn"
Grund zur Hoffnung geben jedoch die Aussagen des Wiener Doping-Experten Hans Holdhaus, dem Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB) in der Südstadt, der in diesem Fall als Experte das ermittelnde Bundeskriminalamt unterstützt. "Das muss irgendwie ein krankes Hirn sein", meinte Holdhaus am Montag zu der anonymen Anzeige. "Mir kommt das Ganze 'gefaked' vor. Denn wenn es so ein Netzwerk gibt, dann ergeben die Querverbindungen unter den Sportlern bzw. Sportarten, die da in der anonymen Anzeige aufgeführt werden, keinen Sinn. Die ganze Zusammenstellung passt nicht, da fehlt die Logik. Deshalb ist mir das alles so suspekt", so Holdhaus.

Internationale Biathlonszene steht hinter deutschen Sportlern
Nicht nur bei den deutschsprachigen Sportlern machte sich Empörung über die Beschuldigungen breit. Unter anderem auch der norwegische Vize-Weltmeister im Sprint von Östersund, Halvard Hanevold, äußerte sich ungläubig zu dem Dopingverdacht: "Ich glaube nicht, dass die Deutschen sich dopen. Das wäre ein Schock, wenn das zutreffen würde. In solchen Situationen können wir uns nur an konkrete Dopingfälle halten. In der Zwischenzeit müssen wir das ausblenden, solange es reine Spekulation ist." Und auch die ehemalige schwedische Weltklasse-Biathletin hegt keinen Verdacht gegenüber DSV-Skijägern. "Ich glaube nicht, dass die deutschen Biathleten gedopt sind, ich wills auch nicht glauben. Die haben auch ein gleichmäßiges Leistungsniveau", urteilt Forsberg. Ein kurzes Statement gab auch der schwedische Trainer Staffan Eklund am Rande der Titelkämpfe ab: "Ich habe davon gestern Abend gehört, aber ich habe so viel zu tun, dass ich keine Lust habe, mich damit zu beschäftigen." Weiterhin erklärte er, wenn man solche Anschuldigungen erhebe, müsse "man auch Beweise haben, so dass man die Täter direkt verfolgen kann".

Quellen: ard, eurosport, tagesspiegel, diepresse, aftenbladet, vg


  Zurück
Weiterführende Informationen zum Thema:
Verwandte Artikel bei Biathlon2b:
Social Bookmarking:
Linktipps: Google, Amazon, ebay
Anzeige
Anzeigen
Google Anzeigen