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Interview mit Prof. Dr. Michael Geistlinger

Biathlon2b Redaktion am 05.05.2008 - 15:57 Uhr

Zum 30. April wurde Prof. Dr. Michael Geistlinger als Generalsekretär der IBU entlassen. Unterschiedliche Auffassungen zur Verbandstrategie der Internationalen Biathlon Union wurden als Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit angegeben. In einem Interview mit dem russischen Onlinedienst allsport.ru meldete sich Geistlinger nun zu Wort.

Wo sehen Sie die wahren Gründe für ihre Entlassung?
"Die Gründe sind rein politisch. IBU-Präsident Anders Besseberg und mein Vorgänger Peter Bayer, Exekutivdirektor der IBU, möchten Alfons Hörmann als neuen IBU-Präsidenten, der 2010 gewählt wird, sehen. Sie waren sich nicht sicher, ob auch ich der Kandidatur Hörmanns, momentaner Marketing-Vizepräsident der IBU, zustimme."

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Lehnen Sie Alfons Hörmann als Kandidaten wirklich ab?
"Sagen wir so, ich werde jeden Kandidaten unterstützen, der die Mehrheit der Stimmen im IBU-Kongress 2010 erhält. Der Kandidat, der in der Lage ist, einen Kompromiss zwischen den Russisch-sprechenden Nationen und den Deutsch-Englischen Vertretern zu schließen. Die jüngsten Ereignisse in der Internationalen Biathlon Union lassen eine eindeutig Anti-Russische Politik erkennen, denke ich."

Möchten Sie vielleicht der nächste Präsident der IBU werden?
"Nein, ich hatte noch nicht einmal solche Gedanken. Ich schließe diesen Faktor als Grund für meine Entlassung aus."

Was sind Ihrer Meinung nach die Konsequenzen der Anti-Russischen Politik? Droht die IBU vielleicht Russland?
"Zuerst möchte ich dem Präsidenten der Russischen Biathlon Union und erstem Vizepräsidenten der IBU, Herrn Alexander Tichonov, für seine Unterstützung danken. Ich weiß, zwischen der Russischen Biathlon Union und Herren Tichonov gibt es bestimmte Probleme. Aber ich bin speziell als Generalsekretär der IBU davon nicht betroffen. Für mich sind nur internationale Aktivitäten wichtig und hier zeigte er sich als ehrlicher und professioneller Mensch. Tichonov hat Biathlon-Verbände in der damaligen UdSSR unterstützt. Er hat den Sportlern die Möglichkeit gegeben, in Russland zu trainieren, hat den Trainerstab unterstützt, beim Bau von Stadien mitgewirkt. Tichonov hat sich die wichtigen Interessen gesichert. Auf diesem Level, mit dieser Anzahl von Athleten, der Zahl der nationalen und internationalen Wettkämpfe in Russisch-sprechenden Ländern kann in der IBU heute keiner mithalten. Ich denke nicht, dass die Deutsch-Englischen Vertreter in der Lage sind, die Russiche Position ernsthaft zu bedrohen."

Während der vergangenen Saison mussten sie nicht nur die Situation rund um Alexander Tichonov beilegen. Es gab eine interne Untersuchung der IBU über Kriminalfälle und den Vorfall mit den Spruchbändern der Russischen Fans "TikhonOFF. BiathlON" beim Weltcup in Hochfilzen. Hat dies keinen Einfluss auf Ihre Beziehung?
"Nein, ich glaube dennoch an diesen Mann mit tiefem Respekt. Nochmal, ich habe kein Recht in die internen Angelegenheiten des Russischen Biathlon Verbandes einzugreifen. Auf internationaler Ebene macht Tichonov sehr viel für Russland. Dass Khanty-Mansiysk einen festen Platz im Biathlon-Weltcup-Kalender bis 2010 eingenommen hat, ist ausnahmslos Tichonovs Verdienst."

Wer wird Ihr Nachfolger als Generalsekretär?
"Zu diesem Zeitpunkt übernimmt Nicole Resch die Aufgaben des Generalsekretärs. Die tatsächlichen Abläufe lenkt der Exekutivdirektor der IBU, Peter Bayer. Es werden Gerüchte gestreut, dass es Vereinbarungen mit einem anderen Mann gibt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Nicole Resch ihre gegenwärtige Position bis 2010 behalten wird."

Wie geht es nun weiter bei Ihnen?
"Ich gebe Seminare über Internationales Sportrecht an der Universität in Salzburg. Ich werde weiterhin Artikel schreiben, mich mit den Studenten beschäftigen und die Liebe zum Biathlon natürlich aufrecht erhalten. Mein Gewissen ist rein: Als Generalsekretär war ich absolut ehrlich, habe alle Vereinbarungen erfüllt und war nicht in Intrigen verwickelt. Ich denke, das war mein größter Fehler. Wenn man als Generalsekretär in einer Organisation wie der IBU überleben will, musst man gerissen sein."

Quelle: www.allsport.ru


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