Mit Platz 25 im Gesamtweltcup und Platz 26 im IBU-Ranking stieß der Obergommer Simon Hallenbarter in der letzten Saison in die Weltspitze vor. Als "Weltspitze" selbst will sich der bescheidene Zeitsoldat indes jedoch nicht bezeichnen.
Eine sehr erfolgreiche Saison liegt hinter dir, zieh' doch mal selbst Bilanz!
"Ich bin natürlich sehr zufrieden mit der vergangenen Saison, ich konnte vor allem im Laufen mit den Besten mithalten. Die zwei Top Ten Ergebnisse und dreimal Rang elf zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und mit einer Steigerung im Schießen liegt noch einiges drin für den nächsten Winter. Sehr erfreulich war auch, dass sich vier Schweizer Biathleten Weltcuppunkte sichern konnten, was nicht selbstverständlich ist bei unserer schmalen Spitze."
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Beim Weltcup-Auftakt sah es nicht nach einer glanzvollen Saison aus. War das geplant, dass der Formanstieg während der Saison kommt?
"Geplant war es nicht, sicher versuchten wir, die Formkurve auf die WM in Östersund auszurichten, trotzdem will man ordentlich in die neue Saison starten. Ich hatte Probleme mit dem Schießstand und die Laufform war nicht so, wie ich es mir vorstellte, so wurde ich halt nach hinten durchgereicht. Ich ließ mich aber deswegen nicht aus der Ruhe bringen und wusste, dass meine Zeit noch kommen wird."
Wo hast du, deiner Ansicht nach, die größten Fortschritte gemacht?
"Ich habe mich im Laufen wie auch im Schießen steigern können und wenn diese zwei Komponenten zusammenpassen, kommen die Resultate fast von alleine. Ich hatte auch das Glück, ohne größere Krankheiten über den Winter zu kommen, was nicht selbstverständlich ist bei den hohen Belastungen und der Reiserei das ganze Jahr hindurch."
Man hört in Biathlon-Kreisen, auch von Olympiasiegern, du seist taktisch den meisten Athleten um Längen voraus ...
"So krass würde ich das jetzt nicht formulieren, ich habe sicher meine Stärken auch im taktischen Bereich und kann mich sehr gut an gewisse Rennsituationen anpassen, aber diese Fähigkeiten besitzen die meisten Athleten, die im Weltcup an den Start gehen."
Fünfter mit der Staffel in Hochfilzen, Sechster im Sprint von Ruhpolding, Siebter im Massenstart von Antholz - nach einem legendären Zweikampf mit Ole Einar Bjoerndalen. Das waren die Topergebnisse des Winters. Gibts aus deiner Sicht auch noch andere Highlights?
"Die drei elften Plätze, zweimal im Verfolger und einmal noch beim Massenstart in Russland waren sicherlich auch Höhepunkte des letzten Winters."
Was waren die Tiefpunkte?
"Die WM war sicherlich kein richtiger Tiefpunkt, ich war läuferisch zur richtigen Zeit in Topform, das Schießen hat mir aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. So konnte ich die Erwartungen nicht ganz erfüllen und vor allem mein Staffelrennen wird mir in schlechter Erinnerung bleiben."
Ist Simon Hallenbarter nun schon Weltspitze? Oder gibts bis dahin noch viel zu tun?
"Ich würde mich als erweiterte Weltspitze bezeichnen, der Grat zwischen Topresultaten und Abstürzen liegt im Biathlon sehr nahe, ein Fehler mehr oder weniger macht schnell mal 15-20 Plätze aus. Auch absolute Spitzenathleten sind vor solchen Abstürzen nicht gefeit, selbst Olympiasieger wie Michael Greis oder Vincent Defranse schaffen nicht immer die Top 60 und damit die Verfolgung. Das zeigt, wie breit und nahe zusammen die Weltspitze inzwischen ist."
Obwohl auch im Biathlon die Individualleistung zählt, ist Biathlon letztlich ein Mannschaftssport. Gehts dem Team gut, stimmen die Einzelleistungen. Wie siehst du die Entwicklung des Schweizer Teams?
"Wir haben wirklich eine sehr teamfähige Mannschaft, die in den letzten Jahren zusammengereift ist. Es ist selbst für uns zeitweise erstaunlich, welche grossen Fortschritte unser Team in der letzen Zeit erzielt hat. Der Teamgeist ist sicherlich einer der Hauptgründe für die guten Resultate."
Mit dem CISM-erprobten Langläufer Christian Stebler und dem Nachwuchstalent Benjamin Weger aus deinem Heimatkanton erhält die Schweizer Mannschaft weiter Verstärkung. Es scheint, dass der Leistungssport "Biathlon" in der Schweiz auf dem richtigen Weg ist?
"Das sehe ich genauso, mit Benjamin haben wir ein sehr grosses Talent in unseren Reihen, von dem man in Zukunft noch einiges hören wird und mit Christian stösst ein arrivierter Langläufer zu uns. Und auch die anderen Biathleten haben einen grossen Schritt vorwärts gemacht, trotzdem steht der Biathlon in der Schweiz noch auf schmalen Füßen, wir sind aber auf dem richtigen Weg."
In zwei Wochen startet die Vorbereitung für den nächsten Winter mit einem ersten Lehrgang in Magglingen. Was hast du dir für dieses und die kommenden Sommertrainings vorgenommen?
"Wir werden sicher keine grossen Experimente eingehen, sondern das ähnliche Programm wie die letzten Jahre durchziehen. Nur das wir den Umfang und die Intensität etwas steigern werden."
Am 5. Juli findet in Dübendorf der erste Grosse Preis der Schweiz im Sommerbiathlon statt. Ein Weltklasse- Teilnehmerfeld hat sich eingeschrieben. Auch Simon Hallenbarter wird am Start sein. Wie wichtig ist ein Anlass mit 30 der weltbesten Biathletinnen und Biathleten im eigenen Land für die Schweiz?
"Für uns und den Biathlonsport in der Schweiz ist es ein sehr wichtiger Anlass, es ermöglicht uns, den Sport der breiten Bevölkerung näher zu bringen. Als Athlet ist es sehr wichtig, sich auch im Sommer mit den Besten messen zu können und in Dübendorf wird ein Weltklassefeld an den Start gehen. Es ist ganz selten, dass sich im Sommer so viele Topathleten an einem Anlass treffen. Darum wird es auch für die Zuschauer ein einzigartiges Erlebnis, das sie sich nicht entgehen lassen sollten. Zudem kommt auch die Nachwuchsförderung nicht zu kurz, am selben Tag findet nämlich noch eine Kidz Trohpy statt."
Dann hoffen wir auch im Sommer auf einen weiteren Exploit des Schweizer Teams mit Simon Hallenbarter an vorderster Front. Themawechsel. Derzeit hast du den Trainingsanzug mit der Armee-Uniform getauscht und die "Fronten" gewechselt. Nun bist du "Trainer". Erzähl' uns davon!
"Im Moment bin ich in Andermatt und erteile den Männern der Rekrutenschule Sportunterricht. Es ist eine interessante Arbeit und eine willkommene Abwechslung zum normalen Training. Es ist spannend, das ganze mal von der anderen Seite, das heisst als Trainer, zu sehen."
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