Interview mit Stephan Peplies
Biathlon2b Redaktion am 30.03.2007 - 17:34 Uhr
Nach der grandiosen Saison von Magdalena Neuner sprachen wir mit ihrem Management über die Zukunft des neunen Sterns am Biathlon-Himmel.
Biathlon2b: Die Erfolge von Magdalena Neuner dürften bei Ihnen im Nachgang der Saison doch sicherlich eine gewisse Medienresonanz ausgelöst haben?
Stephan Peplies: Es gab eine Unzahl von Medienanfragen, Einladungen zu Fernsehsendungen. Die Medienresonanz war überwältigend. Hinzu kam die vielfältigen Reaktionen der Fans und Zuschauer. Das sprengte alle unsere Erfahrungen.
Biathlon2b: Wie haben potentielle Sponsoren reagiert?
Peplies: Ja, das war schon beeindruckend. Wir haben rund 50 ernst zu nehmende Anfragen aus der Wirtschaft, darunter auch international agierende Unternehmen. Die Anfragen richten sich auf Kooperationen wie Werbeflächensponsoring, Auftritte in Printkampagnen, Hörfunk, TV-Spotangeboten. Das gesamte Spektrum der Kommunikation. Wir haben sogar einen potentiellen Partner, der mit Magdalena möglicherweise europaweit werben möchte.
Biathlon2b: Aus welchen Branchen kamen die Angebote?
Peplies: Wir haben Angebote aus dem Bereich Kosmetik, Textilien, Lebensmittel, High-Tech-Produkte. Es gibt einen breiten Kanon an Interessenten.
Biathlon2b: Nach welchen Kriterien wird nun aus diesem Pool ausgewählt?
Peplies: Ich habe Magdalena einen Ratschlag gegeben, der von Hermann Hesse stammt: „Immer gütig zu anderen sein, aber stets sich selbst treu bleiben.” Authentizität und Glaubwürdigkeit, das sind die beiden Punkte, nach denen wir jedes Angebot prüfen. Die Dinge haben sich also den persönlichen Lebensmaximen von Magdalena unterzuordnen - und nicht umgekehrt. Das heißt, wir werden nur Partnerschaften eingehen, wo sie wirklich sagen kann: Ich habe eine Affinität zur Branche, zum Produkt; damit kann ich mich identifizieren. In diesem Fall bleibt man sich selbst treu. Und wenn es nicht so ist, dann muss man gütig zu anderen sein und freundlich nein sagen.
Biathlon2b: Für was könnte Magdalena denn generell werben?
Peplies: Magdalena ist ja eine junge Dame. Alles, was dem Weiblichen zuzuordnen ist, liegt ihr. Sie hat den Blick für Naturkosmetik und Textilien. Sie interessiert sich aber auch für ökologische Produkte. Sie hat Zugang zu High-Tech-Produkten, zu Computer, zu Handys. Sie ist ein moderner Mensch, aber auch ein traditioneller, der tiefe Wurzeln hat. Wir haben natürlich auch Angebote bekommen, wo die Magdalena sagt: Dafür kann ein Sportler nicht werben. Also z. B. der Gesundheit abträgliche Produkte. Auch alles, was sich unter dem Begriff „unsittlich” zusammenfassen lässt, entfällt.
Biathlon2b: Die Euphorie ist auch in Deutschland sehr groß. Können Sie sich das erklären?
Peplies: Das eine ist der sportliche Erfolg in jungen Jahren. Eine dreifache Biathlon-Weltmeisterin mit 20 Jahren hat es ja noch nie gegeben. Da hat die Magdalena eine Alleinstellung. Und natürlich liegt es auch an ihrem Wesen. Sportlicher Erfolg ist sozusagen eine Eintrittskarte für den Raum der Vermarktung. Wie weit man dort kommt, hängt im Wesentlichen von anderen Faktoren ab. Magdalena ist erstaunlich reif, gewandt im Spiel mit den Medien, ein apartes Wesen, unbekümmert, facettenreich. Sie trägt Dirndl und fährt Motorrad. Magdalena ist bei alledem authentisch, sie verstellt sich nicht. Sie sagt immer das, was sie denkt. Das kommt an. Und macht sie liebenswürdig.
Biathlon2b: Es gab die Aussage, Magdalena könne besser vermarktet werden als die Sport-Ikonen Boris Becker, Steffi Graf oder Franzi van Almsick. Haben Sie das wirklich gemeint?
Peplies: Dieses Zitat ist eine Erfindung der Boulevard-Presse mit den üblichen Kaskadeneffekten – einer schreibt Unfug und andere schreiben dann nur noch ab. Ich habe zu keiner Zeit eine derartige Aussage getätigt; dafür fehlt jede vernünftige Grundlage und solche Gedankenspiele gehören nun wirklich nicht zu unseren Aufgaben. Einige Experten und Journalisten haben nach dem ersten Weltcupsieg von Magdalena solche Vergleiche bemüht. Das nehme ich zur Kenntnis, kommentiere dies aber nicht weiter. Wissen Sie, jeder Mensch ist einzigartig als Person und in seinen Möglichkeiten. Franzi ist Franzi und Lena ist Lena! Wem sollten solche Vergleiche eigentlich nutzen?
Biathlon2b: Muss man sich sorgen machen, dass die Begeisterung einfach zu viel wird für eine junge Sportlerin und ihr Umfeld?
Peplies: Nein, die gesamte Familie Neuner ordnet die Geschehnisse schon richtig ein. Sie steht auf dem Standpunkt: Man freut sich, dass die Magdalena Weltmeisterin geworden ist. Sportlicher Erfolg ist schön, aber nicht so wichtig, dass er andere wichtige existenzielle Dinge überstrahlt. Entsprechend verfahren Sie dann auch mit den Begehrlichkeiten. Es gibt Dinge, wo Grenzen gesetzt werden. Mann muss auch mal lernen „nein“ zu sagen. Wir alle achten sehr auf die Einhaltung der Privatsphäre.
Biathlon2b: Wie kommt Magdalena selbst mit ihrem neuen Status zurecht?
Peplies: Ich kann natürlich keine sichere Prognose für die Zukunft abgeben. Aber Magdalena ist eine, die sich nicht so schnell vom Ruhm blenden lässt. Sie weiß: Sie ist ein Sporttalent nicht mehr und nicht weniger. Magdalena hat jeden Tag mit der Normalität des Lebens zu tun. Das ist schon allein eine Präventionsmaßnahme, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Zweitens weiß sie: Ohne Sport ist alles nichts. Ein Ausdauersportler muss ja sehr aufpassen, dass er sich nicht mit Terminen verzettelt, dass er nicht verbrannt wird. Magdalena reagiert da sehr sensibel, sie hat schon oft gesagt: Das würde mich überfordern, das mache ich nicht. Wir haben das bei einem jungen Athleten so ausgeprägt auch noch nicht erlebt. Wir kennen eher Sportler, die sagen: Wir breiten jetzt die Arme aus und nehmen alles, was geht.
Biathlon2b: Große Erfolge können eine Biathletin auch belasten - Kati Wilhelm war da ein Beispiel. Kann Magdalena diese Erfolge wegstecken und weiter erfolgreich sein?
Peplies: Sie hat ja schon ein schönes Beispiel beim Weltcup in Ruhpolding gegeben. Ein paar Tage zuvor hatte sie in Oberhof ihr erstes Weltcup-Rennen überhaupt gewonnen. Dann kam sie nach Ruhpolding und es gab dieses bekannte Massenstartrennen, als sie zum Schluss fünfmal daneben geschossen hat. Andere wären an diesem Punkt schon zerbrochen. Bei der Magdalena aber perlt so etwas ab wie Wasser an einer Kachel. Sie hat sich hingestellt im Fernsehen und gesagt: Das war ein bisschen viel die letzten Tage, ich weiß, dass ich es besser kann. Und damit war das abgehakt. Sie hat die Fähigkeit, die Dinge nicht zu nahe an sich heran kommen zu lassen. Für ihre Jugend ist sie erstaunlich in der Balance, im seelischen Gleichgewicht.
Biathlon2b: Die Erfolge von Magdalena Neuner dürften bei Ihnen im Nachgang der Saison doch sicherlich eine gewisse Medienresonanz ausgelöst haben?
Stephan Peplies: Es gab eine Unzahl von Medienanfragen, Einladungen zu Fernsehsendungen. Die Medienresonanz war überwältigend. Hinzu kam die vielfältigen Reaktionen der Fans und Zuschauer. Das sprengte alle unsere Erfahrungen.
Biathlon2b: Wie haben potentielle Sponsoren reagiert?
Peplies: Ja, das war schon beeindruckend. Wir haben rund 50 ernst zu nehmende Anfragen aus der Wirtschaft, darunter auch international agierende Unternehmen. Die Anfragen richten sich auf Kooperationen wie Werbeflächensponsoring, Auftritte in Printkampagnen, Hörfunk, TV-Spotangeboten. Das gesamte Spektrum der Kommunikation. Wir haben sogar einen potentiellen Partner, der mit Magdalena möglicherweise europaweit werben möchte.
Biathlon2b: Aus welchen Branchen kamen die Angebote?
Peplies: Wir haben Angebote aus dem Bereich Kosmetik, Textilien, Lebensmittel, High-Tech-Produkte. Es gibt einen breiten Kanon an Interessenten.
Biathlon2b: Nach welchen Kriterien wird nun aus diesem Pool ausgewählt?
Peplies: Ich habe Magdalena einen Ratschlag gegeben, der von Hermann Hesse stammt: „Immer gütig zu anderen sein, aber stets sich selbst treu bleiben.” Authentizität und Glaubwürdigkeit, das sind die beiden Punkte, nach denen wir jedes Angebot prüfen. Die Dinge haben sich also den persönlichen Lebensmaximen von Magdalena unterzuordnen - und nicht umgekehrt. Das heißt, wir werden nur Partnerschaften eingehen, wo sie wirklich sagen kann: Ich habe eine Affinität zur Branche, zum Produkt; damit kann ich mich identifizieren. In diesem Fall bleibt man sich selbst treu. Und wenn es nicht so ist, dann muss man gütig zu anderen sein und freundlich nein sagen.
Biathlon2b: Für was könnte Magdalena denn generell werben?
Peplies: Magdalena ist ja eine junge Dame. Alles, was dem Weiblichen zuzuordnen ist, liegt ihr. Sie hat den Blick für Naturkosmetik und Textilien. Sie interessiert sich aber auch für ökologische Produkte. Sie hat Zugang zu High-Tech-Produkten, zu Computer, zu Handys. Sie ist ein moderner Mensch, aber auch ein traditioneller, der tiefe Wurzeln hat. Wir haben natürlich auch Angebote bekommen, wo die Magdalena sagt: Dafür kann ein Sportler nicht werben. Also z. B. der Gesundheit abträgliche Produkte. Auch alles, was sich unter dem Begriff „unsittlich” zusammenfassen lässt, entfällt.
Biathlon2b: Die Euphorie ist auch in Deutschland sehr groß. Können Sie sich das erklären?
Peplies: Das eine ist der sportliche Erfolg in jungen Jahren. Eine dreifache Biathlon-Weltmeisterin mit 20 Jahren hat es ja noch nie gegeben. Da hat die Magdalena eine Alleinstellung. Und natürlich liegt es auch an ihrem Wesen. Sportlicher Erfolg ist sozusagen eine Eintrittskarte für den Raum der Vermarktung. Wie weit man dort kommt, hängt im Wesentlichen von anderen Faktoren ab. Magdalena ist erstaunlich reif, gewandt im Spiel mit den Medien, ein apartes Wesen, unbekümmert, facettenreich. Sie trägt Dirndl und fährt Motorrad. Magdalena ist bei alledem authentisch, sie verstellt sich nicht. Sie sagt immer das, was sie denkt. Das kommt an. Und macht sie liebenswürdig.
Biathlon2b: Es gab die Aussage, Magdalena könne besser vermarktet werden als die Sport-Ikonen Boris Becker, Steffi Graf oder Franzi van Almsick. Haben Sie das wirklich gemeint?
Peplies: Dieses Zitat ist eine Erfindung der Boulevard-Presse mit den üblichen Kaskadeneffekten – einer schreibt Unfug und andere schreiben dann nur noch ab. Ich habe zu keiner Zeit eine derartige Aussage getätigt; dafür fehlt jede vernünftige Grundlage und solche Gedankenspiele gehören nun wirklich nicht zu unseren Aufgaben. Einige Experten und Journalisten haben nach dem ersten Weltcupsieg von Magdalena solche Vergleiche bemüht. Das nehme ich zur Kenntnis, kommentiere dies aber nicht weiter. Wissen Sie, jeder Mensch ist einzigartig als Person und in seinen Möglichkeiten. Franzi ist Franzi und Lena ist Lena! Wem sollten solche Vergleiche eigentlich nutzen?
Biathlon2b: Muss man sich sorgen machen, dass die Begeisterung einfach zu viel wird für eine junge Sportlerin und ihr Umfeld?
Peplies: Nein, die gesamte Familie Neuner ordnet die Geschehnisse schon richtig ein. Sie steht auf dem Standpunkt: Man freut sich, dass die Magdalena Weltmeisterin geworden ist. Sportlicher Erfolg ist schön, aber nicht so wichtig, dass er andere wichtige existenzielle Dinge überstrahlt. Entsprechend verfahren Sie dann auch mit den Begehrlichkeiten. Es gibt Dinge, wo Grenzen gesetzt werden. Mann muss auch mal lernen „nein“ zu sagen. Wir alle achten sehr auf die Einhaltung der Privatsphäre.
Biathlon2b: Wie kommt Magdalena selbst mit ihrem neuen Status zurecht?
Peplies: Ich kann natürlich keine sichere Prognose für die Zukunft abgeben. Aber Magdalena ist eine, die sich nicht so schnell vom Ruhm blenden lässt. Sie weiß: Sie ist ein Sporttalent nicht mehr und nicht weniger. Magdalena hat jeden Tag mit der Normalität des Lebens zu tun. Das ist schon allein eine Präventionsmaßnahme, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Zweitens weiß sie: Ohne Sport ist alles nichts. Ein Ausdauersportler muss ja sehr aufpassen, dass er sich nicht mit Terminen verzettelt, dass er nicht verbrannt wird. Magdalena reagiert da sehr sensibel, sie hat schon oft gesagt: Das würde mich überfordern, das mache ich nicht. Wir haben das bei einem jungen Athleten so ausgeprägt auch noch nicht erlebt. Wir kennen eher Sportler, die sagen: Wir breiten jetzt die Arme aus und nehmen alles, was geht.
Biathlon2b: Große Erfolge können eine Biathletin auch belasten - Kati Wilhelm war da ein Beispiel. Kann Magdalena diese Erfolge wegstecken und weiter erfolgreich sein?
Peplies: Sie hat ja schon ein schönes Beispiel beim Weltcup in Ruhpolding gegeben. Ein paar Tage zuvor hatte sie in Oberhof ihr erstes Weltcup-Rennen überhaupt gewonnen. Dann kam sie nach Ruhpolding und es gab dieses bekannte Massenstartrennen, als sie zum Schluss fünfmal daneben geschossen hat. Andere wären an diesem Punkt schon zerbrochen. Bei der Magdalena aber perlt so etwas ab wie Wasser an einer Kachel. Sie hat sich hingestellt im Fernsehen und gesagt: Das war ein bisschen viel die letzten Tage, ich weiß, dass ich es besser kann. Und damit war das abgehakt. Sie hat die Fähigkeit, die Dinge nicht zu nahe an sich heran kommen zu lassen. Für ihre Jugend ist sie erstaunlich in der Balance, im seelischen Gleichgewicht.
Fotoserie: Interview mit Stephan Peplies
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